Augustin »Belastung hoch 3«

Der UNDOK-Ver­band schreibt regel­mä­ßig in der Stra­ßen­zei­tung Augus­tin. In der Aus­ga­be 376–10/2014 geht es um die Situa­ti­on von Stu­die­ren­den aus Nicht EU-/EWR-Län­dern.belastunghoch3

Devin stu­diert in Wien Wirt­schafts­in­for­ma­tik. Er ist tür­ki­scher Staats­bür­ger und benö­tigt eine Auf­ent­halts­be­wil­li­gung Stu­die­ren­der. Dafür muss er, da er über 24 Jah­re alt ist, 857,73 Euro monat­lich auf sei­nem Kon­to nach­wei­sen und Stu­di­en­ge­büh­ren zah­len. Gleich­zei­tig darf er als Mas­ter­stu­dent aus einem Nicht-EWR-Land jedoch nur 20 Wochen­stun­den arbei­ten. Im Bache­lor­stu­di­um sind laut Aus­län­der­be­schäf­ti­gungs­ge­setz über­haupt nur 10 Wochen­stun­den erlaubt. Absur­der geht es also kaum.

Als Kell­ner bei einer Restau­rant­ket­te arbei­tet Devin meist mehr als 40 Stun­den pro Woche. Sein Arbeit­ge­ber müss­te eine geson­der­te Beschäf­ti­gungs­be­wil­li­gung für ihn bean­tra­gen. Das tut die­ser jedoch nicht und mel­det ihn nur für 20 Stun­den bei der Gebiets­kran­ken­kas­se an. In der Anlauf­stel­le zur gewerk­schaft­li­chen Unter­stüt­zung UNDO­Ku­men­tiert Arbei­ten­der häu­fen sich Fäl­le von Stu­die­ren­den wie Devin. Denn Stu­die­ren­de aus soge­nann­ten Dritt­staa­ten sind einer Viel­zahl an Hür­den kon­fron­tiert: Hür­den beim Auf­ent­halt, Hür­den beim Stu­die­ren, Hür­den bei der Arbeit. Die Öster­rei­chi­sche Hoch­schü­le­rIn­nen­schaft, Mit­trä­ge­rin der UNDOK-Anlauf­stel­le, for­dert seit Jah­ren die Arbeits­markt­be­schrän­kun­gen für die rund 20.000 Stu­die­ren­den aus Dritt­staa­ten abzu­schaf­fen. Eine ent­spre­chen­de Peti­ti­on der ÖH wur­de kürz­lich von mehr als 2.000 Unterstützer_innen unter­zeich­net. In einem dar­auf fol­gen­den Gespräch mit dem Bun­des­mi­nis­ter für Arbeit, Sozia­les und Kon­su­men­ten­schutz, Rudolf Hunds­dor­fer, tra­fen die Studierendenvertreter_innen mit ihren Vor­schlä­gen auf Ableh­nung. Wie jedoch die in der UNDOK-Anlauf­stel­le betreu­ten Fäl­le zei­gen, wer­den Stu­die­ren­de dadurch in die „Schwarz­ar­beit“ gedrängt. Von der aktu­el­len Rege­lung pro­fi­tie­ren also vor allem Arbeitgeber_innen. Lohn- und Sozi­al­dum­ping sind Tür und Tor geöff­net. Hin­ge­gen lega­le Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se zu för­dern und ent­spre­chen­de Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen läge im Inter­es­se aller Arbeitnehmer_innen. Oder etwa nicht?

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