UNDOK-Anlaufstelle: Mittel halbiert, doch wir kämpfen weiter!

Der UNDOK-Verband zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender hat die Öffentlichkeit mit einer Aussendung am 7. Juni über die Kürzung der Fördermittel seitens des Sozialministeriums (BMASGK) informiert. Trotz der Behauptung der Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), dass die „Förderung für den Verein UNDOK … bis Ende 2019 sichergestellt“ sei, wird diese um knapp die Hälfte reduziert.

Aufgrund dieser drastischen Kürzung kann die Arbeit der UNDOK-Anlaufstelle, hier im Besonderen die Beratung und Unterstützung von undokumentierten ArbeitnehmerInnen, in der bisherigen Form und insbesondere im bisherigen Umfang nicht aufrechterhalten werden.

Derzeit arbeiten wir als Verband intensiv daran, eine qualitätsvolle gewerkschaftliche Unterstützungsarbeit für jene ArbeitnehmerInnen sicherzustellen, die in Österreich am stärksten von Ausbeutung betroffen sind.

Über den Sommer entfallen daher die regulären Beratungszeiten, eine Beratung ist nur nach telefonischer Rücksprache möglich. Keinesfalls werden wir aber Schutzsuchende mit ihren Problemen allein lassen!

UNDOK-Anlaufstelle: Drastische Kürzung der Förderung, Zukunft weiterhin ungewiss

Sozialministerin Hartinger-Klein feiert sich via OTS für die „Sicherstellung“ der Förderung und kürzt diese um die Hälfte.

Die Zukunft der UNDOK-Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender beschäftigte in den vergangenen Wochen die Öffentlichkeit. Da es trotz der ablaufenden Förderperiode Ende Mai keine Zusage für eine Weiterförderung seitens des BMASGK gab, drohte ihr die Schließung.

Am 18. Mai bestätigte Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) schließlich via Presseaussendung, dass die „Förderung für den Verein UNDOK … bis Ende 2019 sichergestellt“ sei. Hartinger-Klein betonte dabei die Notwendigkeit, „Betroffenen einen niederschwelligen Zugang zu Beratungsleistungen zu ermöglichen“ und gab „grünes Licht für die Förderung“.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der UNDOK-Verband noch keine offizielle Rückmeldung vom BMASGK erhalten – die stv. Pressesprecherin der Ministerin verlautbarte allerdings gegenüber der Presse, dass die Förderung „etwas weniger ausfallen“ würde, aber in einem Ausmaß, der keine Einschnitte im Personalbereich erforderlich machen würde. Nachdem sich die Ministerin Mitte Mai für ihre Förderzusage via Presseaussendung feiern ließ, wurde der Anlaufstelle Ende des Monats die unerfreuliche Wahrheit übermittelt.

„Sichergestellt“ heißt im Hartinger-Ministerium offenbar nicht viel

Laut eines Schreibens des Ministeriums wird die bis Ende 2019 zugesagte Förderung für die UNDOK-Anlaufstelle um knapp die Hälfte gekürzt. Der Verband wird darin mit der Frage adressiert, ob er unter diesen Umständen seine Arbeit fortsetzen kann.

Das Vorgehen des Ministeriums stößt bei Judith Hörlsberger, Mitglied des UNDOK-Vorstands und Mitarbeiterin des Beratungszentrums für Migranten und Migrantinnen, auf Unverständnis: „Es ist nicht nachvollziehbar, wie sich das BMASGK vorstellt, wie wir angesichts dieser massiven Kürzung den Betrieb der Anlaufstelle aufrechterhalten und weiterhin eine qualitätsvolle Beratung anbieten sollen“.

Ein Angriff auf die Rechte von allen ArbeitnehmerInnen in Österreich

Mario Bartl von der Gewerkschaft Bau-Holz und ebenfalls Vorstandsmitglied ergänzt: „Die Unterstützungsarbeit für die von Ausbeutung betroffenen ArbeitnehmerInnen ist aus gewerkschaftlicher Sicht unverzichtbar. Zudem ist sie essentiell, um gegen Lohn- und Sozialdumping vorzugehen und somit die Rechte aller ArbeitnehmerInnen in Österreich zu schützen“. Diese Entscheidung wie auch andere Maßnahmen wie die Deckelung der Strafen für Firmen, die MitarbeiterInnen nicht korrekt anmelden, oder die Abschaffung des Kumulationsprinzips zeigen aber, so Bartl weiter: „Diese Regierung hat keinerlei Interesse an einer Politik im Sinne der ArbeitnehmerInnen“.

Laut dem UNDOK-Verband wird die Entscheidung, ob und wie die Anlaufstelle ihre Arbeit fortsetzen kann, in den nächsten Tagen gefällt. Klar ist, dass dies ohne empfindliche Einschnitte im Personalbereich sowie ohne eine Reduzierung der Leistungen nicht möglich sein wird. So bedeutet die Entscheidung des Ministeriums aus Sicht von UNDOK nichts anderes als die Schwächung aller ArbeitnehmerInnen in Österreich und einen Angriff auf ihre gewerkschaftliche Vertretung.

Die UNDOK-Anlaufstelle gefährdet

Noch keine Zusage für eine Weiterförderung der Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender seitens des Sozialministeriums. Es droht die Schließung. GewerkschafterInnen wie Rainer Wimmer (PRO-GE) und Dwora Stein (GPA-djp) stellen sich dagegen.

Die UNDOK-Anlaufstelle setzt sich seit 2014 für die Rechte von undokumentiert arbeitenden Menschen in Österreich ein. Durch vielfältige Angebote versucht sie, die Arbeits- und Lebensbedingungen von ArbeitnehmerInnen ohne bzw. mit unsicherem Aufenthalt oder eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt zu verbessern. Zu besagten Angeboten zählen vor allem kostenlose und mehrsprachige Beratung, Workshops für von Arbeitsausbeutung Betroffene wie für MultiplikatorInnen sowie politische Interessenvertretung.

So nahmen seit der Eröffnung mehr als 550 Betroffene die Beratung in Anspruch, in vielen Fällen konnten Rechtsansprüche geltend gemacht werden. Ebenso haben mehr als 1500 Menschen die Workshop-Angebote der UNDOK-Anlaufstelle in Anspruch genommen.

Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), betont vor diesem Hintergrund die Bedeutung von UNDOK für die gewerkschaftliche Arbeit in Österreich:

„Wir haben in der Beratungspraxis gesehen: Gerade KollegInnen ohne Papiere sind sehr schnell ausbeutbar. Sie arbeiten unter besonders unwürdigen und gefährlichen Bedingungen, ihnen werden ihre Löhne vorenthalten, sie müssen ohne Bezahlung bis zu zwölf Stunden arbeiten und nicht selten sind sie mit Gewalt konfrontiert. Diese Missstände zu bekämpfen und den betroffenen KollegInnen zu helfen – genau dafür ist UNDOK da, und für uns als Gewerkschaft ist es wichtig, sie in ihrer Arbeit zu unterstützen.“

Gefördert wird die Anlaufstelle zum größten Teil aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und KonsumentInnenschutz (BMASGK), daneben beteiligen sich an der Finanzierung auch die Arbeiterkammer Wien, die Gewerkschaft Bau Holz (GBH), die Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), die Gewerkschaft vida und die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp).

Förderperiode endet Ende Mai 2018, noch kein Bescheid aus dem Sozialministerium

Die Förderung des BMASGK ist jährlich befristet, die diesjährige Förderperiode endet mit Ende Mai 2018. Trotz dieser nahenden Frist erhielt der UNDOK – Verband zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender, die Trägerorganisation der Anlaufstelle, bisher keinen Bescheid über die Weiterfinanzierung.

Daher ist zu befürchten, dass seitens des Ministeriums geplant ist, die Förderung nicht weiterzuführen und mit Ende Mai auslaufen zu lassen.

Das hätte schwerwiegende Konsequenzen für die UNDOK-Anlaufstelle – und somit für die Lage nicht nur von undokumentiert Arbeitenden, sondern von allen ArbeitnehmerInnen in Österreich. Bereits jetzt wurden aufgrund der unsicheren finanziellen Lage die Öffnungszeiten eingeschränkt. Eine allfällige Streichung der Förderung würde zur Kündigung der derzeit fünf Teilzeitangestellten sowie zur Schließung der Anlaufstelle führen.

Die Schließung der UNDOK-Anlaufstelle hätte negative Konsequenzen für alle ArbeitnehmerInnen in Österreich

Die Schließung der UNDOK-Anlaufstelle würde zum einen das Ende einer in Österreich einzigartigen und auch international vorbildlichen Beratungsstelle bedeuten. Damit verbunden wäre der Wegfall von Unterstützungsmaßnahmen für jene ArbeitnehmerInnen, die am stärksten von Arbeitsausbeutung betroffen sind.

Zum anderen hätte eine solche politische Maßnahme weitreichende Folgen für den gesamten österreichischen Arbeitsmarkt. Denn die soziale und rechtliche Diskriminierung undokumentiert Arbeitender hat negative Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft:

ArbeitgeberInnen wird es dadurch erleichtert, sozial- und kollektivvertragliche Standards zu unterlaufen. Dies wiederum bedeutet letztlich eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten. Die Stärkung der Rechte undokumentiert Arbeitender ist somit essentiell, um der Negativspirale durch Lohn- und Sozialdumping entgegenzuwirken und kommt allen ArbeitnehmerInnen zugute.

Dies betont auch Dwora Stein, Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp: „Wenn undokumentiert arbeitende Menschen um ihren Lohn und ihre Rechte betrogen werden, dann ist es unsere menschliche Pflicht ihnen zu helfen und beizustehen. Es gibt auch ein gesellschaftliches Interesse, diese Form der Ausbeutung zu unterbinden. Lohn- und Sozialdumping schadet allen arbeitenden Menschen und führt somit letztlich zu einer Schwächung der Position aller ArbeitnehmerInnen.“

9. Romaria – Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen

KOMM GEH MIT!
Einladung zur 9. Romaria am Samstag, dem 5. Mai 2018

Auch dieses Jahr ladet die UNDOK-Anlaufstelle gemeinsam mit vielen Initiativen und Organisationen zur der Romaria-Wallfahrt ein, ein Zeichen der Solidarität mit allen Schutzsuchenden in Österreich zu setzen und gleichzeitig gegen restriktive Fremden- und Asylgesetze in unserem Land aufzutreten und somit gegen jeglichen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu protestieren.

Termin: 5. Mai 2018
Treffpunkt: um 8 Uhr bei der Pfarrkirche Schwechat
Ort: 28 Kilometer am Stadtrand von Wien. Von Flüchtlingsheim zu Flüchtlingsheim: Schwechat – Oberlaa – Liesing – Inzersdorf – Maria Enzersdorf

Verantaltet wird die Romaria-Wallfahrt von Don Bosco Flüchtlingswerk, der Salesianer Don Boscos, der Steyler Missionare, der Pfarre Schwechat, der Salesianische Jugendbewegung sowie der Katholische Aktion.

Nähere Informationen zur Wallfahrt und zum Ablauf sind hier 9. Romaria – Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen und auf der Webseite von Don Bosco Flüchtlingswerk Austria zu finden.

Hier der Flyer zum Download: Romaria Flyer 2018

Rückschau auf die UNDOK-Veranstaltung: “Umdenken in der Gesellschaft notwendig”

ExpertInnen beleuchten verschiedene Aspekte von Ausbeutung in der Baubranche und fordern stärkere Unterstützung

    

Die rund 100 BesucherInnen der Veranstaltung “Sie haben das Land mit aufgebaut” der UNDOK-Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender informierten sich Dienstag Abend in der VHS Ottakring über verschiedene Aspekte der undokumentierten Arbeit in der Baubranche.

ExpertInnen berichteten von konkreten Fällen und erläuterten, wie Arbeitsausbeutung zustande kommt, wer davon betroffen ist und welche gewerkschaftlichen wie politischen Möglichkeiten es zur Unterstützung von undokumentiert Arbeitenden sowie des Vorgehens gegen Lohn- und Sozialdumping es gibt.

Muchitsch: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln“

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Josef Muchitsch, dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft Bau-Holz und Vorsitzenden des parlamentarischen Ausschusses für Arbeit und Soziales sowie von Herbert Schweiger, dem Geschäftsführer der Wiener Volkshochschulen. Muchitsch machte darauf aufmerksam, dass gerade die Baubranche übermäßig von Lohn- und Sozialdumping betroffen ist und die Folgen nicht nur österreichische ArbeitnehmerInnen sowie jene aus EU-Ländern betreffen, sondern auch undokumentiert Arbeitende.

„Umso wichtiger ist die Arbeit der UNDOK-Anlaufstelle, die gerade diese eine Gruppe unterstützt, die am stärksten von Ausbeutung betroffen ist“, so Muchitsch. Es braucht eine Bündelung der Kräfte von Gewerkschaften, ArchitektInnen, TechnikerInnen, zivilgesellschaftlichen Initiativen wie Selbstorganisationen, um die Bevölkerung zu sensibilisieren und gemeinsam gegen das Gegeneinander-Ausspielen von ArbeitnehmerInnen vorzugehen, so Muchitsch weiter. Herbert Schweiger wies darauf hin, dass es ein Umdenken in der Gesellschaft, aber auch in den Gewerkschaften braucht. „Diese Gruppe von ArbeitnehmerInnen gehörte bis jetzt zu wenig zur Zielgruppe von Gewerkschaften. Dass sich das ändern muss, zeigen die Erkenntnisse aus der Arbeit der UNDOK-Anlaufstelle“, so Schweiger.

“VerliererInnen sind immer alle ArbeitnehmerInnen“

Marica Guldimann von der UNDOK-Anlaufstelle und Brigitte Schulz, Rechtsschutzsekretärin der Gewerkschaft Bau-Holz, gingen näher auf die gewerkschaftliche Unterstützungsarbeit ein. Guldimann wies darauf hin, dass undokumentierte Arbeit in nahezu allen Branchen stattfindet und dass es der Anlaufstelle vor allem darum geht, betroffene KollegInnen im Sinne ihres Empowerments zu unterstützen. Der Anteil an Frauen, die die Anlaufstelle aufsuchen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, ergänzte Guldimann.

Die beiden Betriebsräte Christian Sambs und Dagistan Özdemir sowie Christian Ringseis, Sekretär bei der Gewerkschaft Bau-Holz Wien, berichteten von ihren Erfahrungen auf Baustellen. Sie wiesen darauf hin, wie in der Baubranche durch die Aufträge an Sub- und Subsubunternehmen ein Verdrängungswettbewerb stattfindet und dadurch das Lohnniveau sowie arbeits- und sozialrechtliche Standards nach unten gedrückt werden. Davon wäre insbesondere der Neubausektor betroffen, hier wären viel stärkere Kontrollen und auch Solidarität unter ArbeitnehmerInnen notwendig. „Denn VerliererInnen dabei sind immer alle ArbeitnehmerInnen“, so Sambs, Betriebsratsvorsitzender der Firma HAZET.

Josef Wöss, der Leiter der Abteilung Sozialpolitik bei der Arbeiterkammer Wien, und Philipp Hammer, Grundlagenforscher bei arbeit plus, gingen auf die Folgen aktueller sozialpolitischer Maßnahmen ein und forderten ebenso stärkere Kontrollen im Sinne des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes, um gegen Arbeitsausbeutung und gleichzeitig das Auseinanderdividieren von ArbeitnehmerInnen vorzugehen. „Gerade jenen Behörden, die diese Kontrollen durchführen sollen, werden aber die Ressourcen gekürzt“, so Wöss.

Kevin Fredy Hinterberger, Gastforscher in der ÖAW, und Lisa Bolyos von der Sezonieri-Kampagne für die Rechte von ErntehelferInnen in Österreich sprachen über Möglichkeiten der Regulierung sowie der Selbstorganisierung. Hinterberger berichtete von einem Regularisierungsprogramm der spanischen Regierung, das einer Vielzahl von ausländischen ArbeitnehmerInnen ermöglichte, einen Aufenthaltstitel und einen regulären Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten. In Österreich wäre der Fokus aber viel stärker auf Integration und Familienleben gelegt, Arbeitsmarktintegration hingegen werde hier von den Behörden sehr ambivalent behandelt. So ist es kaum möglich, außerhalb des Asylverfahrens Bleiberecht in Österreich zu bekommen.

Bolyos erläuterte die Hintergründe der Sezionieri-Kampagne, die vom Arbeitskampf einer Gruppe von LandarbeiterInnen in Tirol inspiriert wurde. Es gebe scheinbar einen stillen Konsens in der Landwirtschaft, sich nicht an die Kollektivverträge zu halten, so Bolyos. Hier braucht es ein stärkeres Entgegentreten von gewerkschaftlicher Seite. Die Sezionieri-Kampagne unterstütze so nicht nur die Selbstorganisierung von LandarbeiterInnen und ErntehelferInnen im Kampf um ihre Rechte, sondern leiste auch Sensibilisierungsarbeit innerhalb der Gewerkschaft.  

“Sie haben das Land mit aufgebaut” zeigte eindrücklich auf, dass Lohn- und Sozialdumping und die Ausbeutung undokumentiert Arbeitender Hand in Hand gehen. Die ExpertInnen wie das Publikum waren sich einig, dass hier ein gemeinsames Vorgehen notwendig ist, dessen Grundlage die Solidarität zwischen allen ArbeitnehmerInnen ist, da alle von den Folgen betroffen seien.

Fotos: Christopher Glanzl/UNDOK-Anlaufstelle

UNDOK-Veranstaltung: Das Land mitaufgebaut

Das Land mitaufgebaut
Aspekte undokumentierter Arbeit in der Baubranche

Dienstag, 20. Februar, um 18:30
VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien

Veranstaltung ist kostenlos zugänglich, mit anschließendem Buffet.

„Sie haben das Land mit aufgebaut“, ein beliebter Satz, wenn es darum geht, die historischen Leistungen ausländischer Arbeitnehmer_innen, einst Gastarbeiter_innen genannt, anzuerkennen. Der Aufbau ist aber kein Prozess, der an einem bestimmten Punkt abgeschlossen wird, er geht stetig weiter und daran beteiligen sich auf die eine oder andere Weise alle hier lebenden Menschen.

Mit der kontinuierlichen Verschärfung der migrations- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen stieg allerdings die Zahl der Menschen, die ohne oder mit unsicherem Aufenthalt bzw. mit eingeschränktem Zugang zum Arbeitsmarkt an ebendiesem Aufbau beteiligt sind. Mit wenig Anerkennung, aber dafür sehr oft in prekären Arbeitsverhältnissen, oft nicht krankenversichert und zu schlecht bezahlt, mit zu langen Arbeitszeiten und unter miserablen Bedingungen. Obwohl die arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen für alle Arbeitnehmer_innen gelten, egal ob sie mit oder ohne Papiere arbeiten.

Es sind Menschen, die in allen möglichen Branchen arbeiten, in der Gastronomie wie in der Pflege, in der Landwirtschaft wie in jener Branche, in der dieses permanente Aufbauen wohl am sichtbarsten und spürbarsten ist: am Bau.

Auf die Baubranche wirft UNDOK – Verband zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender in Das Land mit aufgebaut einen genaueren Blick. Expert_innen aus verschiedenen Bereichen erzählen in vier in der Volkshochschule Ottakring verteilten Stationen von konkreten Fällen der Ausbeutung und von Strategien, die Betroffenen zu unterstützen sowie davon, wie sich undokumentierte Arbeit auf die Gesamtgesellschaft auswirkt und welche Formen der Organisierung dagegen es gab und geben könnte.

Begrüßung: Thomas Laimer, Direktor VHS Ottakring

Eröffnung: Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz

Station 1: Die Fälle mit Marica Guldimann (UNDOK-Anlaufstelle) und Brigitte Schulz (Rechtsschutzsekretärin Gewerkschaft Bau-Holz)

Station 2: Die Baustelle mit Christian Sambs (Betriebsratsvorsitzender HAZET), Dagistan Özdemir (Betriebsrat PORR Tiefbau Simmering) und Christian Ringseis (Sekretär Gewerkschaft Bau-Holz Wien)

Station 3: Die Politik mit Josef Wöss (Leiter der Abteilung Sozialpolitik, AK-Wien) und Philipp Hammer (Arbeit Plus)

Station 4: Die Kampagnen mit Kevin Fredy Hinterberger (ÖAW/Forschungszentrum Menschenrechte) und eine Vertreterin der Sezioneri-Kampagne

In Kooperation mit der Gewerkschaft Bau-Holz, Arbeiterkammer Wien, den VHS Wien und juridikum. zeitschrift für kritik I recht I gesellschaft.

Foto: Thomas Reimer

UNDOK Stellenausschreibung »Öffentlichkeitsarbeit«

Website Header Logo

Der „Verband zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender in Österreich“ (www.undok.at) sucht ab September 2017 eine*n Mitarbeiter*in für 20 Wochenstunden für die gewerkschaftliche Anlaufstelle für Arbeitnehmer*innen ohne Aufenthalts- und/oder Arbeitspapiere. Die Tätigkeit erfolgt in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Verbands, dem Vorstand und dem bestehenden Büro-Team.

Weiterlesen ›

mosaik-Blog »Romaria: Wallfahrt gegen Rassismus«

Am 6. Mai fand bereits zum achten Mal die »Romaria« statt. Die Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen wurde heuer vom Don Bosco Flüchtlingswerk Austria und der Katholischen Aktion veranstaltet. Mit dabei war auch die UNDOK-Anlaufstelle. Rainer Hackauf berichtet am mosaik-Blog über wichtige Allianzen und vielfältigen Widerstand gegen Rassismus.

Angesichts solcher neokolonialen Verhältnisse ist es nur allzu verständlich, wenn Menschen aus ihren Ländern weggehen. Sie fordern lediglich ihren Anteil an Glück und materieller Sicherheit, also einem „gutem Leben“, wie es heuer von Walter Rijs von der Katholischen Aktion gleich zum Auftakt der Wallfahrt hieß.

 

Weiterlesen ›

Augustin »Mein Leben ist auf Pause gestellt, meine Kosten nicht«

Jovanna M. studiert an der TU Wien Archtiektur. Nebenbei arbeitet sie in der Gastronomie. Doch ihr Arbeitgeber hat für sie keine Beschäftigungsbewilligung erhalten. Bestraft wurde jedoch Jovanna. Sie erhielt eine Sperre vom AMS. Lisa Boylos von der Straßenzeitung Augustin hat sie getroffen und mit ihr gesprochen.

Als ich kurz darauf einen regulären Job gefunden habe, wollten die Leute mich anmelden und haben eine Beschäftigungsbewilligung beantragt – da kam die Ablehnung. Warum? Weil ich «zweimal ohne Bewilligung angestellt» war, jeweils von Freitag bis Sonntag: ein Jahr Sperre. Ein Desaster.

Weiterlesen ›

Ö1 Radiokolleg »Working Poor«

Wie sieht das Leben aus, wenn Arbeit nicht vor Armut schützt? Dieser Frage geht Juliane Nagiller im Ö1 Radiokolleg zum Thema Working Poor nach. Neben Betroffenen hat sie dafür auch Sandra Stern (UNDOK) und Lilla Hajdu (PRO-GE und Sezonieri-Kampagne) interviewt.

Gerade im Niedriglohnsektor wird auf ArbeitnehmerInnen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten (und Drittstaaten) zurückgegriffen. Oft wissen sie nicht über ihre Rechte Bescheid und sind von massiver Ausbeutung betroffen. Unternehmen nutzen ihre prekäre Situation oft systematich aus.

Weiterlesen ›